Unsere Büroräume wurden verwüstet
Anja arbeitete in einem Familienunternehmen und organisierte Seminare und berufliche Weiterbildungen. Dann folgten stornierte Buchungen, Kundenverluste und öffentliche Kampagnen. Am Neujahrstag fand die Familie ihre Büroräume verwüstet vor.
- NAME
- ANJA
- TÄTIGKEIT
- MITARBEITERIN IN EINEM FAMILIENUNTERNEHMEN
„ES WAR SCHON RICHTIG WIE SO EIN PROGRAMM, UM UNS EINFACH DAS LEBEN SCHWER ZU MACHEN.“
DIE VOLLSTÄNDIGE
MITSCHRIFT LESEN
So ich heiße Anja. Ich bin in Nürnberg geboren, also ich bin eine Fränkin. Und ich habe dann Scientology kennengelernt 1990 und habe dann geheiratet vier Jahre später und habe drei Kinder großgezogen.
Also ich habe gearbeitet in einem Familienunternehmen, wir haben Seminare gemacht und Weiterbildung, und so die erste große Diskriminierung war eigentlich 1991, da hatten wir einen großen Stern-Artikel. Und danach war es dann wirklich so, dass wir sehr viele Kunden verloren haben, die einfach dann Abstand nehmen wollten, weil sie nichts mit Scientologen zu tun haben wollten. Oder ich erinnere mich, wir hatten Seminare, wir haben Seminare gebucht in Hotels, und wir hatten zum Beispiel eine Veranstaltung, die war abends um 8 Uhr, und ich glaube, so anderthalb Stunden vorher hat das Hotel uns angerufen und hat gesagt: „Ah, wir haben mitbekommen, Sie sind Scientologen. Also wir vermieten keine Hotelräume an Scientologen.“ Also es war einfach wirklich – der Plan war wirklich, uns einfach das Leben schwer zu machen und uns plattzumachen prinzipiell.
Ich erinnere mich auch, da war so ein Aktionsmonat von der Jungen Union. Und wir hatten da die Firma in so einem kleinen Städtchen und außenrum in den umliegenden Orten haben sie dann – abends immer in Turnhallen oder in Schulen so eine Podiumsdiskussion gehabt gegen uns – also gegen Scientology und gegen unsere Firma. Und da kamen meistens so 500 bis 800 Leute. Wir haben dann gefragt, ob wir mit aufs Podium dürfen. Da haben sie gesagt: „Nein.“ Und das war einfach komplett ein Monat, um uns einfach wirklich Kunden wegzunehmen oder einfach die Firma plattzumachen.
Eine Sache vielleicht noch, das war die Krönung: Am Neujahr sind wir in die Firma und das war im Gewerbegebiet und die ganze Firma ist eingebrochen worden und ist komplett demoliert worden – also wirklich mutwillig. Da waren Türen, die nicht abgeschlossen waren – waren eingetreten. Die Glasscheiben waren kaputtgemacht. Es war Papier – also es war wirklich alles durcheinander, also richtig demoliert. Und sie haben aber nichts mitgenommen. Und dann kam die Polizei, hat alles aufgenommen. Und da sagt sie: „Na ja, wenn sie nichts mitgenommen haben, dann haben sie etwas gebracht.“ Und es war auch so. Ein Radio war dann da gestanden. So, in dem Radio war natürlich auch eine Wanze. Also ich meine, wenn ich das jetzt so erzähle, da sage ich wirklich, das ist wie ein Krimi. Aber es war schon richtig wie so ein Programm, um uns einfach das Leben schwer zu machen. Also, als Beispiel wir hatten ein Haus dann verkauft, wo wir privat gelebt haben. Und zwei Jahre später hat uns der Käufer angerufen und hat zu meinem Mann damals gesagt: „Wussten Sie eigentlich, dass das ganze Haus verwanzt war?“ Die hatten renoviert und haben dann Wände halt – haben dann da die Wanzen gefunden. Und das heißt, die haben uns einfach abgehört. Und ich finde es halt wirklich, wirklich erschreckend oder auch traurig, dass so was in Deutschland – speziell in Deutschland mit der ganzen Geschichte – so was wirklich wieder möglich war. Dass die Verfassung einfach mit Füßen getreten wird, dass Leute diskriminiert werden, nur weil sie einen anderen Glauben haben.
DIE AKTE
Fast dreißig Jahre Regierungsakten, nachrichtendienstliche Berichte, Gerichtsurteile und amtliche Aufzeichnungen.
DIE AKTE ÖFFNEN SIEHE AUCHDAS BUCH
Mehr als 400 Seiten. Regierungsakten aus mehreren Jahrzehnten. Eine außergewöhnliche Akte.
DAS BUCH ENTDECKEN SIEHE AUCHDER MENSCHLICHE PREIS
Eine fortlaufend erweiterte Sammlung von Hunderten Berichten aus erster Hand.
GESCHICHTEN ENTDECKEN