Sie grenzen uns überall aus
Berthold baute in der Nähe des Bodensees eine Zimmerei auf und beschäftigte ein kleines Team. Dann verlor er einen Großauftrag, Kunden blieben aus, und zeitweise gab es zu wenig Arbeit für seine Mitarbeiter. Er berichtet, dass die Ausgrenzung nicht nur sein eigenes Geschäft betraf, sondern er auch aus Vereinen und Gruppen ausgeschlossen wurde und sogar nicht mehr an einer jährlichen Gewerbeschau teilnehmen durfte.
- NAME
- BERTHOLD
- TÄTIGKEIT
- INHABER EINER ZIMMEREI
„MAN HAT MICH WIRKLICH ÜBERALL RAUSGEWORFEN, RAUSGENOMMEN AUS VEREINEN, AUS GRUPPEN.“
DIE VOLLSTÄNDIGE
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Mein Name ist Berthold Ott. Ich bin am Bodensee aufgewachsen in einem kleinen Dorf mit 500 Einwohnern.
Und dann habe ich eine Firma gründet, also eine Zimmerei. Habe dann gleich vier, fünf Mitarbeiter gehabt und irgendwann habe ich Scientology kennengelernt. Und da war ich sehr begeistert, weil ich da ganz viele Sachen kennengelernt hab, die mir bei meiner täglichen Arbeit halfen. Und dann war’s so, dann haben wir an einem Großauftrag – wurden wir ausgewählt, dass wir den Auftrag machen solltet für eine Gruppe in Wilhelmsdorf, die hatten eine Kirche zu bauen. Und irgendwann kam dann so per Post so ein Sektenfilter. Und dann mussten wir den Sektenfilter ausfüllen, wo ich mich geweigert habe und gesagt habe: „Ich mache doch den Sektenfilter nicht. Was interessiert mich das?“ Also schlussendlich war es dann so, aufgrund des Sektenfilters haben wir den Auftrag nicht bekommen und hatten ein riesen Problem, weil wir natürlich keine anderen Aufträge in derer Zeit abwickeln konnten.
Also dann wurde das irgendwie bekannt, dass ich ein Scientologe bin. Und während der ganzen Zeit sind ganz viele Kunden schon gar nicht zu uns gekommen, weil sie wussten: „Das sind Scientologen. Mit denen bauen wir kein Haus“, weil ja so viel Negatives darüber gesprochen wurde. Wir haben also auch Zeiten gehabt, da haben wir wirklich zu wenige Aufträge gehabt, dass wir für unsere Mitarbeiter genügend Aufträge haben. Manche Mitarbeiter sind gekommen, die haben gesagt: „Ich kann nicht mehr bei euch arbeiten. Nicht wegen euch, weil ihr seid wirklich super Chef und Chefin. Aber diese Unterdrückung, die wir von außen bekommen, das ist – ich halt das nicht mehr aus.“
Ich war dann im Gewerbeverein, und da hat man einmal im Jahr immer eine Gewerbeschau gemacht. Und dann kam das einmal, dass der Bürgermeister auf mich zukam und gesagt hat, wir dürfen da nicht mehr mitmachen. Und dann habe ich zum Bürgermeister gesagt: „Ja, was soll jetzt das? Ich zahle Mitgliedsbeitrag im Gewerbeverein. Ich zahle meine Gewerbesteuer, also sehe ich nicht ein, dass ich da jetzt ausgeschlossen werde.“ Dann war das so, dann hat er seine Sekretärin persönlich zu mir in die Firma geschickt.
Die musste den Brief persönlich mir in die Hand drücken und mir sagen, dass ich nicht zu dieser Gewerbeschau kommen darf als Aussteller mit meiner Firma. Und im Brief stand dann sogar drinnen, dass sogar die Polizeidienststelle informiert ist und dass wenn ich trotzdem kommen würde, dann würden sie mich abführen. Und man hat mich wirklich überall rausgeworfen, rausgenommen aus Vereinen, aus Gruppen. Man hat uns viele Aufträge nicht mehr erteilt. Und irgendwann haben sie sogar noch eine riesige Zeitungsanzeige gebracht, da standen wir dann drin.
Das war eine halbe Seite von einer Doppelseite, wo nur wir abgebildet wurden: „Wenn der Chef ein Scientologe ist.“ Und jeder wusste, dass wir das sind. Eigentlich unglaublich, dass so was in der heutigen Zeit überhaupt passieren kann.
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