DER MENSCHLICHE PREIS
RAUM MAINZ, DEUTSCHLAND

Zwei anonyme Anrufe veränderten alles

Claudia hatte einen Weg gefunden, von zu Hause aus zu arbeiten und gleichzeitig ihre Töchter großzuziehen. Ihr neues Unternehmen war offiziell zugelassen, und gerade hatte eine Zeitung darüber berichtet. Dann kamen zwei anonyme Anrufe.

NAME
CLAUDIA
TÄTIGKEIT
GRÜNDERIN EINER AU-PAIR-AGENTUR
Die Gehirnwäsche einer Nation: Deutschlands Akte Scientology, von Peter Schulte

LESEN SIE DAS BUCH.

Seit Jahrzehnten ist kaum ein Thema in Deutschland so umstritten.

Gegen sie wurde ermittelt. Debatten im Parlament. Beobachtung durch Nachrichtendienste. Gegenstand von Regierungswarnungen, Gerichtsverfahren und zahllosen Schlagzeilen.

Doch hinter all dem gab es noch eine andere Akte – die der Regierung selbst.

„ES WAR WIRKLICH EINE SEHR, SEHR ANSTRENGENDE UND BELASTENDE ZEIT.“

– CLAUDIA

DIE VOLLSTÄNDIGE
MITSCHRIFT LESEN

Ich bin Claudia, ich bin 70 Jahre alt. Ich bin im Schwarzwald aufgewachsen. Ich bin seit 46 Jahren verheiratet, habe zwei Töchter und drei wundervolle Enkelkinder.

Und 1995 lebten wir als Familie in Rheinland-Pfalz in der Nähe von Mainz. Dort wollte ich mir eine Arbeit erschaffen, die ich von zu Hause aus machen kann, damit ich zu Hause bin wegen den Kindern. Und so habe ich eine Au-pair-Agentur gegründet. Ich habe dann, so wie es vorgesehen war, meine Papiere eingereicht, um eine Genehmigung zur Arbeitsvermittlung zu bekommen, die ich dann auch erhalten habe. Dann habe ich, um mich vorzustellen, habe ich einen sehr netten Zeitungsbericht bekommen, der darüber erzählte, was eben eine Au-pair-Agentur macht. Das war der schöne Teil. Aber dann, nur wenige Tage später, rief mich derselbe Reporter nochmals an, dass er aus meiner Nachbarschaft zwei anonyme Anrufe bekommen hätte, ob man denn nicht wisse, dass ich Scientologe bin. So hatte ich dann kurz darauf einen Zeitungsartikel mit der Überschrift „Agentin ist Sektenmitglied“. Ungefähr vier Wochen später hatte ich dann von offizieller Seite, also vom Ministerium für Arbeit, einen Brief bekommen, dass mir diese Genehmigung, vorher erteilte Genehmigung, entzogen wird, weil ich Scientologe bin.

Mein Mann und ich, wir haben uns dann besprochen, was wir machen. Und wir hatten beschlossen, dass wir diese Diskriminierung nicht auf uns sitzen lassen wollen. Und ich musste dann vor drei Gerichte, das hat dann einige Jahre gedauert, um dann am Ende zu erfahren, dass es rechtens war, dass also das Arbeitsamt, das Ministerium für Arbeit, recht hatte, mir die Lizenz zu entziehen, weil ich Scientologe war.

Ich bekam eine Einladung von dem Kongress aus den USA in Washington, um meine Erfahrung mit der Diskriminierung von religiösen Minderheiten in Deutschland kundzutun.

Die Einladung habe ich angenommen und bin in die USA gereist und habe dort mit anderen bekannten Scientologen gesprochen und wurde danach gefragt, wie es denn für mich ist in Deutschland zu leben mit dieser Diskriminierung bezüglich dieses Entziehens der Arbeitsvermittlung. Und es war für mich wirklich auf der einen Seite eine Erleichterung, andererseits auch eine enorme Ernüchterung, dann wieder in das Land zurück zu müssen, wo ich wusste, da geht es einfach so weiter. Aber es war wirklich eine sehr, sehr anstrengende und belastende Zeit. Und das ist das, was uns passiert ist. Und das einfach, weil wir Scientologen sind.

VIELEN DANK.

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