DER MENSCHLICHE PREIS
STUTTGART, DEUTSCHLAND

Sie gaben mir das Gefühl, kein normales Kind zu sein

Ruben war in der dritten Klasse, als seine Mitschüler ihm etwas mitteilten, das er nicht verstehen konnte: Er musste die Schule verlassen, die er liebte. Doch auch mit dem Schulwechsel sollte das, was darauf folgte, kein Ende nehmen.

NAME
RUBEN
TÄTIGKEIT
GRUNDSCHÜLER
Die Gehirnwäsche einer Nation: Deutschlands Akte Scientology, von Peter Schulte

LESEN SIE DAS BUCH.

Seit Jahrzehnten ist kaum ein Thema in Deutschland so umstritten.

Gegen sie wurde ermittelt. Debatten im Parlament. Beobachtung durch Nachrichtendienste. Gegenstand von Regierungswarnungen, Gerichtsverfahren und zahllosen Schlagzeilen.

Doch hinter all dem gab es noch eine andere Akte – die der Regierung selbst.

„MAN MUSS SICH DAS EINFACH VORSTELLEN: ICH WAR EIN KIND, ABER DIE UMGEBUNG HAT MIR DAS GEFÜHL GEGEBEN, KEIN NORMALES KIND ZU SEIN.“

– RUBEN

DIE VOLLSTÄNDIGE
MITSCHRIFT LESEN

Mein Name ist Ruben und ich bin in Starnberg geboren und schon ziemlich früh als Baby mit meinen Eltern nach Stuttgart gezogen und dort aufgewachsen.

Ich bin schon im Kindergarten auf einer Privatschule gewesen hier in Stuttgart. Ich habe dann auch weitergemacht mit Grundschule bis zur dritten Klasse. Dann kam der Moment, wo ich an einem Tag in der Schule war und Mitschüler zu mir sagten, dass ich ja jetzt die Schule verlassen müsste. Und ich bin nach Hause gegangen zu meinen Eltern und habe sie gefragt, was sie damit meinen. Und dann haben die mir erklärt, was vorgefallen ist.

Und zwar wurde ein sogenannter Sektenfilter ausgegeben an alle Eltern. Alle Eltern der Schule mussten unterschreiben, dass sie weder Scientologen sind noch mit Scientology sympathisieren. Und wenn man das nicht unterschreiben konnte, mussten die Kinder von der Schule gehen. Das hat mir keinen Sinn gemacht. Ich habe erst mal – ich glaube, ich habe ein paar Stunden lang durchgeheult, weil ich das als so ungerecht empfunden habe. Und letzten Endes konnte ich nichts dagegen machen. Ich musste am Ende dieses Jahres dann die Schule verlassen.

Ich bin dann auf eine staatliche Schule gegangen, weil wir natürlich solche weiteren Probleme vermeiden wollten. Und auch da wurde ich tatsächlich sehr nett empfangen. Und ein paar Wochen später wurde ein spezieller Elternabend einberufen. Und es gab eine Menge Anfeindungen, es gab eine Menge Angst der Eltern, es gab eine Menge Sorgen darum, dass ihre Kinder mit mir in Kontakt treten könnten. Und man muss sich das einfach vorstellen: Ich war ein Kind, aber die Umgebung hat mir das Gefühl gegeben, kein normales Kind zu sein. Und das war relativ hart, muss ich sagen.

Als ich dann später auf dem Gymnasium war, hatten wir Ethikunterricht. Und eines Tages kam die Lehrerin auf das Thema Scientology zu sprechen. Und sie hat angefangen, über Scientology zu erzählen und was es ist. Und was seltsam war: Es hatte für mich nichts damit zu tun – mit dem, was ich über Scientology weiß oder wie ich es erfahren habe. Und zur gleichen Zeit saß ich dann natürlich drin und hatte wieder dieses unglaubliche Magengefühl von mir wird gleich schlecht. Das ist einfach wahnsinnig ungerecht. Es hat sowohl mein Leben, meine Kindheit, stark beeinflusst als auch das Leben vieler, vieler anderer Menschen. Und ich finde nicht, dass jemand in dieser Welt wegen religiöser Angehörigkeit in Angst leben sollte.

VIELEN DANK.

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