DER MENSCHLICHE PREIS
DIETZENBACH, DEUTSCHLAND

Sie ließen nicht zu, dass unsere Söhne Freunde sind

Arnds Sohn hatte einen engen Freund im Kindergarten. Die Jungen spielten zusammen, und ihre Eltern trafen sich zum Essen und unternahmen Ausflüge. Dann brach die andere Familie abrupt den Kontakt ab. Als Arnd später entdeckte, was auf einem Schulanmeldeformular stand, war er fassungslos.

NAME
ARND
TÄTIGKEIT
VATER
Die Gehirnwäsche einer Nation: Deutschlands Akte Scientology, von Peter Schulte

LESEN SIE DAS BUCH.

Seit Jahrzehnten ist kaum ein Thema in Deutschland so umstritten.

Gegen sie wurde ermittelt. Debatten im Parlament. Beobachtung durch Nachrichtendienste. Gegenstand von Regierungswarnungen, Gerichtsverfahren und zahllosen Schlagzeilen.

Doch hinter all dem gab es noch eine andere Akte – die der Regierung selbst.

„ICH GLAUBE, DASS ER ES BIS HEUTE NICHT VERSTEHT.“

– ARND

DIE VOLLSTÄNDIGE
MITSCHRIFT LESEN

Ich bin der Arnd und ich bin seit 36 Jahren in Scientology. Und ich bin geboren in Krefeld. Ich wohne momentan in der Nähe von Frankfurt.

Also mein Sohn hatte einen Freund im Kindergarten und dann haben wir diese andere Familie kennengelernt – fanden die eigentlich sehr sympathisch, haben auch Dinge mit denen unternommen, sind irgendwo mal hingefahren, essen gegangen, haben Ausflüge gemacht, also zum Zoo zum Beispiel. Und ich habe ihnen dann erzählt, dass ich eigentlich Scientologe bin. Das hat dann dazu geführt, dass sie ein paar Tage später uns gesagt haben, dass sie keinen Kontakt mehr zu uns wollen, weil wir Scientologen sind. Also es hat mich in dem Moment schon etwas traurig gemacht, weil gerade mein Sohn das überhaupt nicht verstanden hat. Dann habe ich ihm schon die Wahrheit erzählt. Dann habe ich ihm gesagt: „Okay, pass auf. Die Eltern von ihm wollen nichts mit uns zu tun haben, weil wir eine andere Religion haben.“ Und dann hat er das einigermaßen verstanden, aber in Wirklichkeit, glaube ich, hat er es bis heute nicht verstanden. Denn das ist einfach auch nicht zu verstehen.

Also nach dem Kindergarten fängt ja dann die Grundschule an und wir haben für unseren Sohn eine Schule gesucht. Wir haben in Dietzenbach drei Möglichkeiten gehabt: eine staatliche und zwei private. Wir haben uns darüber informiert und sind dann zu Informationsabenden gegangen. Und wir haben dann gesehen, dass die Montessori-Schule in Dietzenbach tatsächlich für ihn am besten passen würde. Das klang sehr vielversprechend, bis wir dann den Antrag bekommen haben. Ich habe dann das Formular gelesen, habe meine Frau angeguckt und habe gesagt: „Das kann ja nicht sein.“ Da stand drinnen, dass man kein Sympathisant oder auch kein Mitglied der Scientology-Kirche sein darf. Das war für mich einfach ein Schock, weil wie hat das mit dem Kind zu tun? Also, dass mein Sohn da nicht zur Schule gehen darf, nur weil ich selber vielleicht mal ein Buch über Scientology gelesen habe? Das fand ich dann schon sehr, sehr, sehr weitgehend und sehr, sehr, sehr diskriminierend.

VIELEN DANK.

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