Sie bedrohten meine Existenzgrundlage
Herbert hatte seine Arbeit verloren und versuchte, sich selbstständig zu machen. Dann brachte ein Besuch bei ihm zu Hause seine Bankkonten und Kredite in Gefahr.
- NAME
- HERBERT
- TÄTIGKEIT
- HEIZUNGS- UND SANITÄRINSTALLATEUR
„ES WAR MAL KURZ: ‚DIE WELT BRICHT ZUSAMMEN.‘“
DIE VOLLSTÄNDIGE
MITSCHRIFT LESEN
Mein Name ist Herbert und ich bin in der Zwischenzeit 63 Jahre alt. Ich bin hier in Ergenzingen aufgewachsen, in die Schule gegangen, meine Ausbildung gemacht als Heizungs- und Lüftungsbauer, anschließend noch Gas- und Wasserinstallateur, habe dann mit meinem Onkel zusammen eine Firma gegründet.
Und zu dieser Zeit bin ich dann in Scientology gekommen. Dann wurde das bekannt auch in der Firma. Und das war wirklich eine harte, harte Zeit, weil die Leute einen fast nicht mehr angeschaut haben. Du warst fast wie ein Aussätziger. Dann ging es so weiter, dass ich arbeitslos wurde. Es war mal kurz: „Die Welt bricht zusammen. Was mache ich?“ Ich habe ein Haus gebaut. Die erste Tochter war schon auf der Welt, das zweite Kind war unterwegs. „Was kann ich tun?“ Und das war dann die Entscheidung, wirklich selbstständig einen Job zu machen.
Ja, in der Zeit, wo ich dann neu selbstständig war, kam auf einmal der Vorstand von der Bank hier, und hat einen Termin vereinbart, kam zu uns in Haus, setzt sich an den Esszimmertisch und teilt mir mit: „Herbert, also wir können für dich als Scientologen kein Konto mehr führen.“
Also die Konsequenz wäre, alle Kredite werden gekündigt und ich habe kein Bankkonto mehr.
Danach hat man versucht, einfach auch mit der Familie in Kontakt zu bleiben. Es wurde sehr stark vermieden. Es gab Dinge – Ausladungen aus Hochzeitseinladungen sozusagen – nachträglich nach der Einladung später kam dann ein Schreiben, ja, solange wir in Scientology sind, wollen sie nicht, dass wir bei der Hochzeit mit dabei sind. In einem Erpressungsversuch hat das Ganze gegipfelt. Also entweder ich gehe aus Scientology raus, oder man bringt mich ins Gefängnis. Und danach hat diese Familiengruppe einen Pressetermin gemacht.
Und es war dann so weit, dass ich namentlich in der Presse genannt wurde, dass ich Scientology-Mitglied bin und dass ich quasi seit der Mitgliedschaft viele Schulden gemacht habe und einfach die Familie sei komplett verzweifelt. Das war dann so die Aussage. Ich hatte dann aber auch – muss ich dazusagen – die Zeitung verklagt, weil ich hatte halt gesagt, ich hätte dadurch einen Schaden erlitten, durch diesen Zeitungsartikel. Ich wünsch das wirklich niemandem, so einen Zeit zu erleben. Und eigentlich in einem schönen Ort aufzuwachsen, die Leute zu kennen und auf einmal sind verschiedene Leute richtig bösartig einem gegenüber. Also unverständlich – nur, weil wir Scientology-Mitglieder sind.
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